Digital Detox – von unfreiwillig zu freiwillig

Willkommen, liebe Leserinnen und Leser, zu einer neuen Ausgabe meiner Kolumne!

Heute starten wir mal mit einem Modewort: Digital Detox.

Was heißt eigentlich Digital Detox? Bei direkter, wörtlicher Übersetzung wäre die Bedeutung „digitale Entgiftung“. Klingt erst mal nach Krankheit. Denn warum sonst entgiften?

Anders übersetzt könnte man sagen, dass es um digitalen Verzicht geht. Und ja – genau diesen habe ich geübt! Nur kommt hier jetzt keine hippe Story über ein Wochenende oder einen – neuerdings immer beliebter werdenden – Digital-Detox-Urlaub. Es war in meinem Fall etwas anders: Ganz spontan, unfreiwillig und profan zu Hause habe ich mir eine Woche ohne WLAN, Festnetztelefon, Fernsehen, Internet… gegönnt. Also eigentlich ohne „alles“, was die heutige mediengetriebene Wirklichkeit ausmacht. Irgendwie. Obwohl… Nein, halt! Telefonieren konnte ich mit meinem Handy, was mir natürlich auch die Möglichkeit gab, SMS zu verschicken, immerhin.

Somit war mein digitaler Verzicht alles andere als freiwillig und geplant. Er war ganz einfach „da“. Und hier ist auch der profane Grund: wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte ein Bagger bei Bauarbeiten einen Totalschaden am Glasfaserkabel der Deutschen Telekom verursacht und somit Teile eines Stadtteils, nämlich meines, digital lahmgelegt. Die Lokalisierung hat wohl etwas gebraucht und die Reparatur tatsächlich volle sieben Tage gedauert.

Am ersten Tag habe ich mich echt geärgert und hektisch den Fehler gesucht. Bei mir. Im Heimnetzwerk. Denn es hätte ja an meinem Router liegen können. Oder ein Problem bei meinem Provider? Also: Provider anrufen… Endlich jemanden an der Hotline erreicht. Hurra! Dieser Mitarbeiter hat jedoch keine Idee (oder Ahnung?), ich bekomme ein „Trouble-Ticket“ und soll auf weiteren Kontakt warten. Und dann tut sich erst mal nichts mehr. Ich warte also. Und hoffe, dass einfach genau so plötzlich alles wieder funktioniert. Ich hoffte vergeblich. Auch auf eine Information meines Providers.

Am zweiten Tag habe ich mich zwar auch noch geärgert, aber weit weniger. Zudem wurde ich durchaus kreativ und überlegte, wie denn die „Misere“ zu umgehen sei. Da ich zu einem großen Teil im Home Office arbeite, bin ich darauf angewiesen, das Internet nutzen zu können. Also, ein verlässlich funktionierendes Internet.

An Tag drei war ich damit beschäftigt, Alternativen zu suchen. Mobiles WLAN also, das Handy als Hotspot oder Ähnliches. Es fand sich eine Lösung – für das absolut Notwendigste. Schon der Kosten wegen.
Erstaunlich, wie wenig „absolut notwendig“ ist.Dieses Zitat tweeten

Und dann setzte doch tatsächlich an Tag vier etwas ganz Ungewöhnliches ein: Gelassenheit! Nein, das ist jetzt nicht ironisch gemeint. Netter Nebeneffekt: Ich kam „plötzlich“ zu ganz anderen Dingen. Die ich sonst gerne aufschiebe. Und ich intensivierte andere Beschäftigungen, die sonst durch Medienkonsum weniger im Fokus stehen. Wir haben zum Beispiel viel gespielt, gelesen, waren sportlich aktiv… Das Leben ging weiter! Gut sogar. Was darin gipfelte, dass mein Kind bemerkte, es sei „richtig schön so ohne Internet – machen wir das jetzt öfters?“. Ich konnte nicht widersprechen und kam ins Grübeln…

Bei mir in der Nachbarschaft gibt es übrigens eine mittelständische Firma, deren Geschäftsführer ich jetzt – nach 20 Jahren – auch persönlich kenne, da ich ihn einfach mal besucht und gefragt habe, wie‘s denn bei ihm so läuft. Nun, es lief genauso wie bei mir. Keine Verbindung. Leider. Aber er könnte mir einen Kaffee anbieten – da sage ich doch nicht nein!

Als Firmen- und Direktkunde der Telekom hatte er viel bessere Informationen als ich, die ich ja über einen anderen Provider nur das Netz der Telekom nutze und daher keine direkten Auskünfte von der Telekom erhalte. Nun war ich dank meines Nachbarn immer up to date, wir hatten tägliche Treffen vereinbart. Fast war ich überrascht, als er am siebten Tag aufgeregt bei mir anklingelte, um mir mitzuteilen, dass „es“ wieder geht. Was auch stimmte.

Yeah! Ich war also wieder an die digitale Welt angeschlossen. Ja, das war schon ganz schön. Keine Frage. Aber lebenswichtig? Hmmmm… Nein, lebenswichtig war es letztlich nicht. Zweifelsfrei nützlich, klar. Und auch absolut notwendig für mein Home-Office. Natürlich ein Stück weit bequem. Schon zum Zeitunglesen.

Das Fazit: mein persönliches Digital Detox war in jedem Fall eine interessante Erfahrung, die ich ganz freiwillig so wahrscheinlich nicht gemacht hätte – schon gar nicht ungeplant sieben Tage lang. Da ich jetzt aber genau weiß, wie angenehm es ist, mal nicht „online“ zu sein, gibt es bei uns jetzt öfters mal Digital Detox. Nicht nur im Urlaub. Sondern ganz bewusst und absolut freiwillig. Ich kann das durchaus empfehlen!

Herzliche Grüße,
Eure Gudrun


Mit diesem Beitrag verabschiedet sich das Team von Serapion in eine kurze Winterpause und meldet sich am 07.01.2019 wieder zurück. Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern schöne Feiertage – online und offline! 🙂

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