Gesundheitswesen: Automatisierung, die sich nicht so anfühlt

Spätestens seit die ersten PCs in Arztpraxen Einzug gehalten haben – also etwa vor 25 bis 30 Jahren – ist die Digitalisierung der Gegenstand heißer Debatten im Gesundheitswesen. Die Liste der Ängste von Seiten der Patientinnen und Patienten, und auch von Seiten der Ärztinnen und Ärzte, ist lang:

  • Wird die Ärztin bald durch den Computer – oder die App – ersetzt?
  • Und der Krankenpfleger durch den Roboter?
  • Was wird aus einer der wichtigsten Komponenten des Heilungs- und Genesungsprozesses – der menschlichen Zuwendung?

Kritiker sehen uns in eine Zukunft gehen, in der jegliche Gesundheitsversorgung technisch, unpersönlich und standardisiert ist. Kein Schwätzchen mehr in der Sprechstunde, keine Frage nach dem Befinden, stattdessen reine Apparatemedizin.

Dabei wird gern übersehen, dass Mensch und Maschine ganz unterschiedliche Fähigkeiten haben: Während Empathie und anderes Zwischenmenschliches – wie etwa Humor, der schon so manchen Krankenhausaufenthalt erträglich gemacht hat – immer noch die Domäne des Homo sapiens sind, ist der Computer weniger anfällig gegenüber Müdigkeit, Launen oder Vorurteilen. Ein Computer beurteilt einen Befund auch nach 120 Stunden ununterbrochener Laufzeit noch so wie frisch gebootet. Ein Arzt dagegen kann nach einem herkömmlichen Nachtdienst nicht einmal mehr sicher mit dem Auto nach Hause fahren. Zahlreiche Studien haben gezeigt, wie sehr lange Arbeitszeiten im Krankenhaus die Patientensicherheit gefährden – fatalerweise vor allem in Fachrichtungen mit besonders schutzbedürftigen Patientinnen und Patienten wie in der Neugeborenenmedizin. Andere Faktoren, die nachweislich Stress für Beschäftigte im Gesundheitswesen verursachen und damit die Patientensicherheit beeinträchtigen, sind unter anderem Zeitdruck und mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte bei der Arbeit.

Die offensichtliche Lösung des Problems – die Belastung von ärztlichem und Pflegepersonal zu verringern – ist gleichzeitig erstrebenswert und wenig praktikabel: Es müssten hierzu mehr Fachkräfte eingestellt werden. Diese sind einerseits nicht leicht zu finden – selbst wenn man auf Fachkräfte aus dem Ausland zurückgreift – und werden andererseits durch den Fachkräftemangel noch teurer als ohnehin schon.

Eine andere Lösung ist es, die vorhandenen ÄrztInnen und PflegerInnen zu entlasten: Ihnen nämlich die Routineaufgaben abzunehmen, die ebenso gut durch einen Computer erledigt werden können. Muss eine Ärztin eine Stunde pro Tag am Schreibtisch verbringen, um die zahlreichen Medikamente ihrer Patienten von Hand abzugleichen und gefährliche Interaktionen zu identifizieren? Muss ein Pfleger seine Zeit damit verschwenden, mit Papier und Kugelschreiber eine neue Lieferung von Desinfektionsmittel zu bestellen? Diese Zeit kann besser mit den PatientInnen verbracht werden, denn für beides stehen bereits leistungsfähige digitale Systeme zur Verfügung.

Warum hat die Automatisierung bei Patientinnen und Patienten trotzdem so eine schlechte Presse? Ganz einfach: Weil sie von ihnen in den oben beschriebenen Fällen nie als solche wahrgenommen wird. Was die PatientInnen feststellen, wenn gute automatisierte Arbeitsabläufe im Krankenkhaus implementiert sind: Die Ärztin hat plötzlich Zeit, sich bei der Visite auf die Bettkante zu setzen und sich eine Geschichte von den Enkeln anzuhören. Das fühlt sich für den Patienten an wie – das Gegenteil von Automatisierung.

Einer der besten Angriffspunkte für mehr Automatisierung im Krankenhaus ist die oben schon genannte Medikamentensicherheit. Es wird geschätzt, dass in den Industrieländern etwa 1% bis 10% der Krankenhauspatienten schwerwiegende Nebenwirkungen von Arzneimitteln erleiden und 0,1% bis 0,3% der eingewiesenen Patienten an ihnen sterben. Dies sind in Großbritannien beispielsweise etwa 22 000 Todesfälle pro Jahr.

In vielen Fällen handelt es sich hierbei um Interaktionen zwischen Medikamenten. Ältere Patienten, die acht bis zehn Medikamente parallel einnehmen, sind keine Seltenheit – man kann sich vorstellen, dass kein Arzt die vielen tausend möglichen Interaktionen (die zudem von den Erkrankungen des Patienten abhängig sind), im Kopf behalten oder auch nur in realistischer Zeit nachschlagen kann. In den allermeisten Fällen ist nicht einmal die Zeit, meldepflichtige Nebenwirkungen zu melden und damit die Vorbeugung bei anderen Patienten zu gewährleisten.

Moderne Anbieter von Automationsprodukten im Gesundheitswesen, wie etwa unser Partner WorkFusion, stellen nicht nur Lösungen zur Verfügung, die diese Aufgaben weitgehend selbständig übernehmen, sondern implementieren zusätzlich Machine-Learning-Verfahren, die diese Systeme selbstlernend machen – wie einen Arzt, der eben noch keinen 24-Stunden-Dienst hinter sich hat.